Kurze Pause

Im Moment fehlt uns arbeitsbedingt die Zeit zum Bloggen und zu weiteren Antworten auf Holgers Kommentar. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben, keine Frage! Nach dem 10.09.07 haben wir wieder etwas mehr Zeit übrig ;)

6 Kommentare

  1. Kommentar von The Holgman on 9. September 2007 18:03

    1999 waren wir erstmals beim WOA, sind seither ohne Unterbrechung Stammgäste, weil uns eben die ganze Open Air-Atmosphäre incl. Campen gefällt. Na ja, in den letzten Jahren weniger, weil das Festival inzwischen einfach zu überlaufen ist, eigentlich seine Grenzen schon längst überschritten hat. Als letztes Jahr über 60.000 Nasen dort aufliefen, dachte ich, mehr geht wohl nun beim besten Willen nicht, doch man schafft es noch einmal, bis ca. 72.000 Besucher zu toppen. Und nach Bauer Uwe Tredes Worten, er überlege, wie man nächstes Jahr für 100.000 Campingmöglichkeiten schaffen könne, überlegten wir, ob nicht von unserer Seite aus ein Schlußstrich gezogen werden sollte. Wenn’s wenigstens alles richtige Metalheads wären, die wegen den Bands anreisen und wissen, wie man sich einigermaßen verhält, wär’s halb so wild, nur zieht solch ein Riesenevent auch einen Haufen Idioten an, die nur zum saufen und Wilde Sau rauslassen hinfahren, mit Metal nur wenig am Hut haben. Vorangig sind es Kids, die outfitmäßig nicht mal annähernd was metallisches an sich haben. Es wird ausgiebig Druckbetankung betrieben, um dann zwischen den Zelten herumzutorkeln, über Schnüre gestolpert und diese herausgerissen oder sogar in Zelte gefallen. In der Nacht von Samstag auf Sonntag kurz nach 0 Uhr tobte so’n junges Asipack total breit mit Einkaufswagen zwischen den Zelten herum, einer saß drinne, der andere schob, und krachten voll auf meinem Huhns Seite in unser Zelt. Nicht nur, daß sie Prellungen am Rücken davon trug, am Morgen im hellen stellte ich zwei schwere Beschädigungen fest, u.a. ein langer Riß am Überzelt, so daß wohl ein neues Zelt gekauft werden muß. Beim kleinen Iglo wär’s weniger wild, aber ein großes 4-Mann-Zelt kostet um einiges mehr. Was noch nervt, sind die vielen Crowdsurfer! Es sind immer dieselben Vollidioten, die fast im Minutentakt im Fotograben landen und dort eine ziemliche Spastikershow abziehen. Bei DESTRUCTION sprang einer über die Absperrung zurück in die Massen statt seitlich raus zu gehen, riß dabei meiner Kleinen (1,53 m groß) mit seinem Fuß fast ein Ohr ab, oder bei SABBAT krachte so’n Hirni auf sie drauf, die darauf mit dem Kinn an die Absperrung knallte und sich die Lippe aufschlug. Danach mußte ich sie erstmal raus an die Seite bringen, bevor mehr passiert. Warum können diese Hirnies sich nicht die Bands in Ruhe ansehen. Einmal so’n Ritt kann ich ja noch verstehen, aber in einer 3/4 Stunde zehnmal und mehr nicht: So verhalten sich normalerweise keine richtigen Fans. Ich weiß, es ist kaum umsetzbar, aber es sollte so was wie Gesichtskontrollen stattfinden, damit es solchem Pack schwer gemacht wird, auf Metalfestivals bzw. deren Campingplätze zu gelangen.
    Überhaupt wäre es begrüßenswert, würden die Veranstalter die Tickets drastisch limitieren. Zahlreiche Bands auf unserem Plan mußten verworfen werden, es war einfach nicht möglich, sie einigermaßen vernünftig zu sehen. ICED EARTH von ganz hinten an der Nudelbude, den Monitor in Briefmarkengröße, da zieh ich mir lieber ne DVD auf dem heimischen Sofa vor der Glotze rein. Bei SAXON, ROSE TATTOO, DESTRUCTION oder SODOM konnte nur ein vorderer Platz links außen ergattert werden, weil wir (Schlumpfgröße) uns schon eine Dreiviertelstunde vorher dort plazierten. Als vor 5 Jahren die 30.000er Marke überschritten wurde, hätte schon die Bremse gezogen werden müssen. Wacken hat nämlich nicht die Infrastruktur für 70.000 oder mehr anreisende Fans, da es nur drei Zufahrtsstraßen und eine Einfahrt für Camper mit Auto gibt. Wir hatten mit knapp über zwei Stunden im Stau noch Glück (Mittwoch Mittag!), weil uns mein Vater (spielt jedes Jahr Chaffeur) am Camping only absetzte, den kleinen Rest ging’s zu Fuß, aber einige Fans sprachen von 8-9 Stunden.
    Ich erinnere mich noch gut, 2000 startete erstmals Donnerstag das Warm Up auf der Mainstage mit KROKUS, COMPANY OF SNAKES und MOLLY HATCHET, da war noch eine überschaubare Zahl vor der Bühne und man konnte direkt vor der Absperrung zum Fotograben die Bands sehen. Sogar am Freitag / Samstag bei u. a. SAMSON, ANGELWITCH, ARMORED SAINT, MARDUK, GAMMA RAY, LIZZY BORDEN, ROSE TATTOO oder DEE SNIDER S.M.F. war kein Fernglas nötig, man hatte, wenn auch nicht immer aus erster Reihe, guten Sichtkontakt auf die Bands. Von Jahr zu Jahr wurde es schwerer, weil eben die Besucherzahl wuchs. Inzwischen stehen die Massen auch am Donnerstag bis weit hinten kurz vorm Einlaß. Klar muß sich solch Event rechnen, schwarze Zahlen schreiben und ich gönne dem Veranstaltertrio auch den Verdienst, schließlich steckt dahinter ne Menge Arbeit, doch irgendwo sollte die Grenze sein. Es geht wohl weniger ums dicke Geld machen, eher den Ruf als Größtes Metalfestival der Welt zu genießen. Klar, jeder will mit dem was er macht Erfolg haben, nur geht “Größenwahn” (oder so) irgendwann mal nach hinten los, wie beim DYNAMO OPEN AIR 1995 mit fast 120.000 Besuchern, als einiges aus dem Ruder lief. Das gleiche könnte auch dem WOA in naher Zukunft passieren, wenn nicht Einhalt geboten und besucherzahlenmäßig abgespeckt wird. Viele beschweren sich zudem zunehmends über die stetig steigenden Ticketpreise. Kein Wunder, was Sonntag morgen dort für’n Müll, vor allem Tausende Zelte, Pavillons & Co zurückgelassen werden. Ja sogar halbe Wohnungseinrichtungen (Eckcouch, Sessel, Tische – fehlen eigentlich nur noch Anbauwände)! An einigen solcher Typen, die mit riesen Anhänger voller Möbel im Stau standen, fuhren wir sogar vorbei. Warum werden diese überhaupt mit dem Zeux aufs Gelände gelassen? Die Entsorgung wird natürlich aufs Ticket aufgeschlagen. Wir sind jährlich 14 Tage vorher beim HOA, da sieht’s am Abreisetag ganz anders aus! Die Tickets sind auf ca. 1.500 limitiert und dort fahren nur echte Metalheads hin, kein asoziales Gesöcks, das ein Metalfestival mit Karneval & Co verwechselt. Bleibt zu hoffen, daß Holger & Co das Ruder schnell herumreißen und wir nächstes Jahr wieder ein einigermaßen entspanntes Festivalweekend genießen können, auch wenn das Wetter weniger mitspielt, katastrophaler sind die vielen Spacken, welche die Festivalatmosphäre demontieren.
    The Holgman (und Bienidiction) vom METAL OBSESSION Fanzine

  2. Kommentar von Wacken-Spacken on 12. September 2007 08:16

    @Holgman:

    Wir geben Dir in den meisten Punkten einfach nur Recht. Warum Leute mit Unmengen Sperrmüll überhaupt aufs Gelände gelassen werden, ist absolut unverständlich. Ebenso unverständlich wie dass man der Abfackelei des Krempels am Sonntag nicht schon lange einen Riegel vorgeschoben hat.

    Hinsichtlich der Infrastruktur, des Ortes und des Festivals ist es absolut zutreffend, dass diese nicht für solche Massen ausgelegt ist. Vor einigen Jahren hätten wir die noch erträgliche Höchstgrenze bei 50.000-55.000 Besuchern taxiert, inzwischen sind es fast 50% mehr. Das packt weder die sanitäre Infrastruktur noch das Sicherheitspersonal noch wirklich zufriedenstellend, sofern man nicht ohnehin halbwegs in Nähe der Duschcontainer campiert. Aber offenbar war in den vergangenen Jahren mehr Merchandising-Krempel und mehr Leute anzuziehen wichtiger, als erst einmal die Basis und Substanz des Festivals auch jenseits der Bands zu verbessern. Ein Stopp bei den Besucherzahen wäre das Mindeste. Die Wiederentdeckung der Fanfreundlichkeit würde sicher auch manchen (Ex-) Anhänger wieder mit den Strapazen der vergangenen Jahre versöhnen.

    Die anderen genannten Punkte rühren von der sinkenden “Qualität” des Publikums her, welche leider direkt mit dem Wachstum der letzten ca. 5-6 Jahre einhergegangen ist. Motto: Wacken – der Ballermann des Nordens! Dem könnte man mit einer grundlegenden Strenge der Ordnungskräfte auf dem Campground usw. locker begegnen, dass solche Leute im folgenden Jahr nicht wiederkommen. Aber wahrscheinlich wird es so laufen wie im Forum bereits geschrieben wurde: Es werden sich Grüppchen bilden, die für Ordnung sorgen und Spacken gehörig am Nacken packen, wenn sie zuviel Bullshit fabrizieren. Nicht unwahrscheinlich, dass sich da manch verkappter Ballermann-Tourist nächstes Jahr eine blutige Nase holt.

    Wäre meiner Kleinen jemand mit Einkaufswagen oder Stiefeln voran beim Crowdsurfen auf den Kopf oder Rücken gefallen, könnte er seinen Kopf nun unter dem Arm tragen, bei aller sonstigen Friedfertigkeit. Solche Leute begreifen es nicht, dass der Spass da eine Grenze hat, wo er zur fetten Belästigung oder zum Schaden für Dritte führt. Wir haben selbst über die Jahre viel Blödsinn mitgemacht, aber immer nur zum eigenen Schaden (Schnitte, Platzwunden, Prellungen etc.), *nie* sind andere in Mitleidenschaft gezogen worden, wenn wir Unfug gemacht haben. Das Video im Wacken-Forum zum “Crowdsurfer einpacken” fanden wir daher auch richtig klasse:

    http://www.youtube.com/watch?v=LEmIk8Rbazc

    Allerdings hätten wir wohl noch das Dixi aufgemacht und die Spacken mit dem Kopf voran in der Scheisse versenkt :mrgreen:

    Besonders lustig sind ja die Heulsusen, die meinen, dass Crowdsurfen dazugehöre. Das stimmt zwar in Maßen, aber was will er denn machen, wenn die Crowd ihn nicht surfen, sondern abschmieren läßt? Sie dazu zwingen, dass sie seinen verschwitzten, fetten Arsch weiterreichen? *kopfschüttel*

  3. Kommentar von The Holgman on 13. September 2007 18:19

    Trotz Schwerbehinderung (bin Frührentner) hätte ich den Pimpf locker plattmachen können, bin aber schon immer gegen tätliche Auseinandersetzungen. Im Notfall, wenn’s mir ans Leder geht, wüßte ich mich bis zu einem gewissen Grade schon irgendwie zu wehren. Hatte den Typen dermaßen beschimpft, er stand da wie’n Napf. Wir waren seit Mittag auf den Beinen und nach dem STORMWARRIOR-Auftritt einfach zu kaputt für großartigen Streß. Durch die nächtliche Feuchtigkeit hing das Zelt ziemlich durch, war der Schaden im Dunkeln eben nicht auf Anhieb sichtbar, hätte sonst an Ort und Stelle abkassiert. Was die Crowdsurfer, die uns überquerten betrifft, denen kniff oder schlug ich ziemlich heftig in die Seite bzw. im Sack! :-) ))
    Genau, Wacken mutiert langsam zum Ballermann 666. Man sollte Security auf den Zeltplätzen Streife laufen lassen, vor allem ab Sonntag morgen, wenn die rituellen Zeltabfackelungen auf den Camping Only-Grounds stattfinden. Die Veranstalter wissen es seit Jahren, blarren nur herum und unternehmen nix. Letztes Jahr zerhackten Irre ihr Zelt & Co paar Meter neben unserem, ich hatte Angst, mir fliegt jeden Moment was an Kopf.
    Cheerz,
    Holg (& Bee)

  4. Kommentar von Wacken-Spacken on 17. Oktober 2007 07:11

    Ballermann 666 trifft es ganz gut. Genau diese Entwicklung bereitet uns Sorgen, nicht nur in Wacken, sondern generell bei Festivals und in der Szene. Es ist an der Zeit, dass die Szene sich einen neuen Kodex gibt, der u.a. auch solche schwachsinnigen Exzesse ächtet. Denn irgendwo hört der Spass da schon auf. Metaller sollen doch angeblich besonders intelligent sein, warum merkt man davon z.B. in Wacken so wenig?

  5. Kommentar von The Holgman on 18. Oktober 2007 18:09

    In Wacken merkt man davon immer weniger, weil die Zahl echter Metalheads abnimmt und die derjenigen, die nur zum Affen rauslassen hinfahren zunehmends mehr wird. Das sieht man diesen Gurken auch an, fast noch Windelpuper und außer nen Wacken-Shirt nix an sich, was sie mit Metal in Verbindung bringt. Ich glaube, die meisten von denen hören nicht mal Heavy Metal, haben keine Ahnung von den dort auftretenden Bands. Es ist eben cool, da gewesen zu sein. Massenveranstaltungen ziehen leider auch solches Gesöcks.
    Cheerz,
    Holg

  6. Pingback von Metal-Gott.com - Aus dem Alltag eines Metalheads » Blog Archiv » Wacken Open Air als Ballermann 666? on 15. November 2007 20:39

    [...] The Holgmann weist bei den Wacken-Spacken darauf hin, dass Wacken immer mehr zu einem Ballermann 666 geworden sei: [...]

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