Fan-Support für das Wacken Open Air schrumpft
Veranstaltungen wie das Wacken Open Air leben zu einem großen Teil vom Support der Szene. Und genau dieser Support scheint innerhalb der gesamten Metalszene zu schrumpfen. Nicht nur, dass die Fans sich in zahlreichen Foren auskotzen als hätte man ihr Bier mit Salmonellen oder Coli-Bakterien gepanscht, auch den Schreibern bei Web- und Fanzines vergeht die Lust, ein dermaßen kommerzialisiertes und von asozialen Besuchern durchsetztes Festival weiter zu unterstützen. Exemplarisch sei auf diesen Festivalbericht bei Burn Your Ears verwiesen:
Tja. Wie bricht man das Herz eines treuen Wacken-Fans? Genau so wie 2007. Alles haben wir mitgemacht: das 2002er Chaos. Das Schlamm-Wacken 2005. Widrige Umstände, zu wenig Klos, ekliger Fraß. Macht uns nichts aus. Wir sind Festivalgänger, lieben campen, liebten Wacken. Als es immer größer wurde, vertrauten wir der Ansage von Holger Hübner und Thomas Jensen, dass sie limtieren würden. Vor vier Wochen kam die Ansage „Sold Out!“. Und wir freuten uns gar sehr. Und dann sehen wir von Mittwoch bis Samstag abend (!!!) wie lustig weiter Tickets für 150,- € verkauft werden. Unfassbar.
Die Leute dieses Jahr: Da wird eine gute Bekannte, gekleidet in Leopardenhosen, T-Shirt, Kutte, Stiefeln, von zwei Emo-Schnitten in Tutu, Ballerinas und rosa Totenkopfschleifchen angeranzt, wie man den bitte sehr so rumlaufen kann, das sei ja unmöglich.
Da stellen Jungschweine stolz ihre selbstgedrehten Videos bei YouSpast rein um der Welt zu zeigen, wie man sie auf gar keinen Fall benimmt: Fremdes Eigentum zerstören, in völliger Selbstverständlichkeit Zelte abfackeln, Dixies umwerfen.
Da wird man bei NAPALM DEATH gefragt, welcher Newcomer das denn da sei, und bei IN FLAMES drehen sich Leute um, weil die Band zu “Heavy Metal” sei. Wir scheinen uns verfahren zu haben, Rock Am Ring war doch schon, oder?
Das Feeling ist weg. Futsch. Wenn sich früher der Wacken-Schädel entzündete, dann stand man mit Tränen in den Augen und einer Gänsehaut am ganzen Körper in der Menge und wusste: Ich bin wieder zu Hause. Wenn Donnerstag um 16 Uhr das Gelände öffnete, rannten wir rauf, schrieen herum und knutschten uns gegenseitig zu Boden. Wir waren wieder zu Hause.
Aber zu Hause ist verschwunden. Weg. Untergegangen in einem Meer von Geldgier, Lügen, falschen Zusagen, einem irrsinnigen medialen Interesse und der Tatsache, dass Metal an sich grade bei den ganz Jungen fürchterlich angesagt ist. Als Modeerscheinung. Dafür können die Orgas nichts, auch nicht für das Wetter. Aber bei aller Liebe: bevor ihr euch um Dinge wie Poker-Zelt, Wacken-Dildos und rosa Wacken-Schnuller kümmert, sorgt doch bitte endlich wieder dafür, dass wir wiederkommen möchten. Mir wird in einem Jahr das Herz brechen. Aber Sylvia und ich werden nicht hinfahren. Gibt ja genug “Nachfolger”…
Tja, da helfen wohl auch Akkreditierungen, kostenlose Tickets und die anderen Annehmlichkeiten für Berichterstatter nichts mehr. Aber dann ist Backstage und im Fotograben ja endlich Platz für MTV und Viva…
5 Kommentare
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Ok, der Bericht ist nicht von Dir, aber lass Dir sagen, das die Leute am Ring bei In Flames total ausgeflippt sind, da war deutlich mehr los als bei Metallica. Rock am Ring ist echt nicht so schlimm, wie es im Kontext Wacken im dargestellt wird.
@Michael:
Kommt immer aufs Publikum an. Klar, bei Rock am Ring sind bei entsprechendem Billing viele Metaller, ergo funzt das. Allerdings ist da wohl auch die Organisation einfach wesentlich professioneller als in Wacken. Wenn man halt schon seit der Anreise nur Mist erlebt hat, leidet da die Stimmung auch die folgenden Tage über. Das Problem mit zu wenigen und / oder zu selten geleerten Dixies auf den entfernteren Campgrounds ist ja nun nix neues. Auch viele andere kleine und große Patzer nicht. Last but not least könnte die Ankündigung von Lordi und Bullet for my Valentine neben Unheilig usw. dazu geführt haben, dass wohl manche dachten, Wacken sei ein Festival für Gothics und Emos – und die suchten dann ganz verzweifelt den Stand mit den Rasierklingen
Ich frage mich manches mal, ob ihr nicht selbst zu einer Art Modeerscheinung gehören wollt!
Ich bin selbst Metaler, empfinde mich auch als… so to speak “true”… Ich mag die ganzen Modemetaler und -emos auch nicht
Und wenn mir jemand sagt, In Flames sei total heavy aber Cannibal Corpse keine Musik, dann muss ich marodierend herumlaufen und Bier trinken!
Aber ihr stört euch so immens daran, dass Wacken jetzt auch auf VIVA oder sonst wo übertragen wird, als wärd ihr kleine Kinder.
Kann euch doch voll egal sein, es geht schließlich auch um´s Spaß haben und um die geilen Bands, die dort auftreten.
Klar, zwischen Destruction und Saxon kommt dann mal Bullets for my Valentine(hahhaa), aber die kann man ja getrost ausbuhen und weggehen!
Ich verstehe eure Intention, auch die dieser Page, aber ich finde, ihr übertreibts zu sehr.
Nur weil euch ein paar Kids stören, tut ihr direkt so, als wärd ihr die Großväter des Metal und hättet ein Anrecht darauf, Musik nicht mit anderen teilen zu müssen.
Das mit dem Kommerz auch der leidige Kapitalismus folgt, ist heutzutage im System nunmal stark verankert, und Daumen Hoch für den Kampf dagegen.
Zu der Kleidung: 2007 hab ich auch einige gesehen, die etwas “konventioneller” gekleidet waren oder aber in eine andere Richtung gehen. Hierzu kann ich nur sagen:
Wenn die Metaler jetzt auch noch anfangen wie die Hopperkiddies auf das Aussehen zu achten, ja dann hat die Szene wirklich gelitten in letzter Zeit.
Auch wenn ich die Emokids selbst auslachen muss wegen ihren Chukz(wie auch immer) und ihrer Hundeköterfrisur, aber nur weil ich keine 100 Nieten an meinem Körper trage, oder keine Jeansjacke mit 1000 Patches, heisst das nicht, dass ich keine Ahnung von Metal habe.
Hoffe ich habe euch hier nicht zu sehr angegriffen, aber ihr versteht sicher meine Aussage
Was ich hinzufügen muss:
Recht gebe ich euch, dass Wacken zu groß geworden ist (auch wenn ich bisher nur 2x da war) und sie die Kartenkontingente auf KEINEN FALL erhöhen dürfen. 2008 war ein saugeiles Wacken, aber viel zu viele Leute auf einem Fleck, auch wenn es friedlich ablief.
Recht gebe ich euch, dass Wacken nicht nach Verkaufszahlen und nach den “wie kriegen wir die meisten Fans in unseren Käfig”-Bands geifert, sondern nach qualitativ hochwertigen Bands! (Children of Bodom gehören meiner Ansicht nach dazu, auch wenn ich sie nicht wirklich mag)
Gegen die Modeerscheinung Metal könnt ihr nichts ausrichten, durch euren Wackenboykott gebt ihr nur mehr Vollidioten die Chance, Wacken zu einer riesigen Saufparty werden zu lassen, die den Unterton Metal verloren hat. Statt rumzuweinen solltet ihr den Krug und die Streitaxt in die Hand nehmen und es euch gut gehen lassen! Wenn es euch so sehr stört(das momentane Ausmaß ist wirklich hoch), ab und zu mal einen “untruen” Metaler zu sehen, oder vllt jemand jüngeren (Guten tag, bin auch erst 19 Jahre), finde ich das doch etwas oberflächlich!
Korrigiert mich, wenn ich was falsches sage!
mfg
Je mehr Menschen nach Wacken kommen, desto mehr Idioten treiben auch im Strom mit. Metal ist vorübergehend eine Modeerscheinung und diese Mode wird auch wieder abflauen, so dass die übelsten Spacken sich hoffentlich wieder verpissen. Eine rigide Ticket-Beschränkung hätte schon vor 2-3 Jahren kommen müssen, aber das WOA-Office bekam ja den Hals nicht voll. Das ist keine Frage von Kapitalismus, sondern von Gier, einer recht miesen Charakter-Eigenschaft.