“Hauptsächlich wegen der unglaublich guten Partystimmung”

Noch im letzten Beitrag machten wir darauf aufmerksam, dass inzwischen dermaßen viele hirnlose und asoziale Spacken, die noch nicht einmal Metaller sind, nach Wacken kommen, dass man beim Wacken Open Air eigentlich von einem Ballermann auf deutschem Boden sprechen könnte. Ein Beispiel? Gerne, hier:

Gestern kam ich vom Wacken wieder, einem Heavy Metal Festival. Und es war selbst für mich als nicht Metal-Hörer extrem genial. (…)  Nächstes Jahr fahre ich wahrscheinlich nochmal hin, hauptsächlich wegen der unglaublich guten Partystimmung. Das Wacken ist wirklich ein Festival, das man einmal erlebt haben muss – auch wenn man kein Metal hört.

Sorry, aber bei sowas werden wir intolerant. Wir sind allesamt Metalheads der alten Schule und dazu gehört etwas mehr als Musik und Party. Das ist nicht nur Musik oder ein bestimmter Dresscode, sondern eine Lebenseinstellung. Für uns zählen beispielsweise so Dinge wie gegenseitiger Respekt oder Anstand. So kämen wir nie auf die Idee, Zelte anzuzünden, auf fremde Zelte zu pissen, den Leuten ihren Kram zu demolieren oder zu klauen, Autos aufzubrechen oder was auch immer dieses Jahr sonst noch alles auf dem Campground  und den Parkplätzen passiert ist. Selbst Handys, DigiCams und Geldbeutel bringen wir direkt zur Fundstelle, wenn wir sowas finden. Warum? Weil es für uns nicht nur eine Frage des Respekts vor fremdem Eigentum Gleichgesinnter, sondern auch des Anstands innerhalb der Szene ist. Und weil wir von Gleichgesinnten erwarten könnten, dass diese sich größtenteils ebenso verhalten.

Oder nehmen wir die Sache mit Crowdsurfern und Moshpits. Vielfach wird sich im Wacken-Forum über Unmengen von Crowdsurfern beschwert und dies zu Recht. Da geht es den meisten nicht mehr darum, die Musik zu erleben, sondern nur noch um plumpe Selbstdarstellung wie von einer billigen Attention whore – man könnte ja vielleicht im Live Stream oder auf der DVD landen. Deshalb nehmen viele der Crowdsurfer auch keine Rücksicht auf die anderen, die vielleicht auch einfach mal ein paar Songs in Ruhe geniessen wollen, ohne dauernd Stahlkappen ins Genick zu bekommen oder Schwerstarbeit zu leisten, wenn innerhalb eines Songs mal locker 5-10 Leute mit einem Kampfgewicht um die 100 kg aufschlagen, die sich wie nasse Säcke hängen lassen, anstatt eine gewisse Körperspannung zu halten. Dito bei den Moshpits. Da gehört es zum guten Ton, dass man Leuten, die zu Boden gehen, wieder auf die Beine hilft und denen, die raus wollen, dies ermöglicht. Da herrschen heute vielfach nur noch komplette  Gedankenlosigkeit und rohe Gewalt. Das wiederum liegt einerseits am Nachwuchs, der solche Dinge nicht mehr vermittelt bekommt (ganz zu schweigen von einem generellen Mangel an Erziehung durch die Eltern), und an Leuten, die ohnehin schon nichts mit Metal zu tun haben und daher auch nicht wissen, wie die Szene entstand, sich entwickelte und überhaupt in vielen Dingen tickt.

Genau deshalb brauchen wir weder in Wacken noch auf anderen Metal-Festivals irgendwelche Spacken, die nichts mit Metal oder zumindest Rock zu tun haben. Wir brauchen da weder Techno-Tussis noch HipHopper, Kegelvereine, Schläger, Krawallos, Nazis oder anderes primitives bis vollkommen asoziales Gesocks, das Wacken inzwischen offenbar für eine dreitägige Freiluft-Disco mit “unglaublich guter Partystimmung” hält. Und wenn sie nichts Williges zum Poppen finden, wird gesoffen bis zum Umfallen, randaliert und geprügelt, ganz so wie in der Bauern-Disco, in der sie den Rest des Jahres herumhängen. Das interessiert die Veranstalter aber nicht. Denen reicht es, wenn solche Leute genügend Geld mitbringen, denn sie selbst werden ja nicht verprügelt oder bekommen das Zelt angezündet, während sie noch darin liegen. So rigide Regeln mit sofortigem Platzverweis, Beweis-Fotos und Strafanzeige wie auf anderen Festivals werden sie wohl auch nicht einführen, weil dann ja nicht mehr so viele Asis zur Party kommen könnten. Da bleibt uns Metalheads halt nichts anderes übrig, als mit den Füßen abzustimmen, indem wir anderen Festivals den Vorzug geben, die nicht nicht wegen ihrer “unglaublich guten Partystimmung” in poppigen Dorfdiscos weiterempfohlen werden. Sonst könnten irgendwann wirklich Tokio Hotel in Wacken auftreten und es gäbe dann Butterfahrten nach Wacken, wo den Leuten überteuerte Heizdecken mit Wacken-Logo und all der andere Merchandising-Tand wie Vibratoren angedreht würde.

Eine tolle Perspektive, oder?

1 Comment(s)

  1. Kommentar von -KurzumBurzum- on 8. August 2010 16:09

    Was wieder für ein Hype gemacht wird…. nur weil 75.000 “EVIL METALLER” Kindergeburtstag auf Wacken feiern. :D

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